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„Sehr gelungen, wie Jean-Claude Bado hier klassische Gerichte mit modernen Elementen kombiniert – nach wie vor sind Gourmets mit dieser Adresse gut beraten!  So auch mit den (zahlreichen französischen) Weinen, bei deren Auswahl der geschulte Service gerne hilft.
==> Langustine und Hummer mit Entengelée, Wildkräutern.  Lammrücken mit Auberginen und schwarzer Knoblauchsauce.  Quark-Zitrusfrüchte-Fantasie.“

„Geboten wird französische Klassik im modernen, aber niemals bloß modischen Gewande.  Die Produkte sind hervorragend, die Zubereitungen akkurat, die Präsentationen formvollendet – unnütze Schnörkel und eitele Effekthaschereien haben in disem puristischen Universum keinen Platz.
Dass Bado die einleitenden Amusaillen auf einem Holzbrett arrangiert, finden wir für seine Verhältnisse fast frivol.  Die auf den ersten Blick konventionelle Kombination von Schinken und Käse ist nichts als schwereloses Schweben, wenn ein Mini-Croissant, umspielt von nahezu imateriellem Käseschaum, auf eine kaum weniger ätherische Schinkenmousse trifft und beide von weißem Nougat-Eis gekühlt werden.
Solche mit Witz und Esprit gesetzten Pointen, die nie unverbindlich bleiben, sondern stets einen traditionellen Kontext in ein anderes Licht rücken, sind bei Bado keine Seltenheit.  Manchmal genügt schon eine unerwartete (aber immer dezente) Aromatisierung, um eine vertraute Komposition neu auszurichten:  Eine Ahnung von Miso und Ingwer verwandelt den Wolfsbarsch auf Artischocken à la barigoule in einen sanften Exoten, das Perlhuhn in seiner Kreuzkümmelsauce duftet ein wenig nach Levante, und eine mit Meerrettich geschärfte Hollandaise verschiebt das Geschacksbild von pochiertem Rind (Filet und Bäckchen) ein Stück weit nach Mitteleuropa, wo Siedfleisch und „Kren“ zusammengehören.
Wir wollen dergleichen nicht „Crossover à la Bado“ nennen – der Meister würde vermutlich protestieren –, sondern lieber eine wunderschöne „assiette verte“ rühmen, wo ein flüchtig hingehauchter und doch ausdrucksstarker knallgrüner Kräuterschaum leicht panierte Froschschenkelchen und pralle Schnecken innig vermählt, auf einem Brautlager aus pergamentdünnen Nudelblättern, mit Enokipilzen als Brautjungfern – fragt sich nur, wer ist die Braut?
Eine tiefe Verneigung vor makelloser Rohware erkennen wir in Bados Umgang mit Steinbutt und Hummer.  Die beiden Aristokraten des Atlantiks geben (quantitativ) nicht allzu viel her (bei einem à la carte-Preis von 29 € nur allzu verständlich), doch was sie (qualitativ) zu sagen haben, klingt klar und deutlich wie immer, wenn Bado unverfälschte Produkte für sich selbst sprechen lässt.  Feine Hummersauce und cremiger, gleichfalls nach Hummerfond schmeckender Risotto begleiten den Dialog diskret, ein Safran-Gelee balanciert die Krustentiersüße mit seiner würzigen Frische, eine frittierte Zucchiniblüte fügt erdigen Crunch hinzu.
Wie man einem flotten Vogel Bodenhaftung verleiht, zeigt Bado mit seiner famosen Anjou-Taube, deren saftig-zartes Fleisch sich an der rustikalen (aber nicht groben) Oberfläche eines confierten Schweinebauchs reibt.  Dass „la Belle et la Bête“ am Ende zueinanderkommen, liegt auch an einer enorm intensiven Kirschsauce, die beiden konveniert und in deren aromatischen Abgründen wir uns verlieren, nachdem wir etwas Rahmpolenta geschleckt und ein paar Maiskörner gepickt haben.“